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Football-Stammtisch 2013/2014
Imho:
So, die NFL-Saison läuft nun also seit 2 Wochen wieder, die "Studenten" schlagen sich bereits seit 3 Wochen wieder ums eiförmige Schweinsleder... Zeit also, mal wieder ein paar Worte über den geilsten aller amerikanischen Sportarten zu wechseln. Ich würde gern diesen Thread mit folgenden Beiträgen starten, welche über die nächsten Tage verteilt kommen sollten:
- NFL - Vorausschau auf die einzelnen Divisionen der NFC und AFC
- College Football - was gibt es Neues!
- College Football - was bisher geschah!
Über die "kleinen Pannen" und TV-Änderungen, die einem als Football-Fan etwas den Saisonstart versaut haben, hab ich mich ja schon im letzten Thread ausgelassen. Da sich aber zumindest für die Internetdienste eine Besserung andeutet, fang ich einfach mal mit der ersten NFL-Division an. Und weil es hier mindestens einen Patriots-Fan gibt, ich in den alten Thread feststellen durfte, dass es (außer bei mir) noch kleine Sympathien für die Dolphins gibt und auch die Jets am Stammtisch schon öfters (nicht von mir [zwinger] ) lobend erwähnt wurden fang ich einfach mal mit der AFC East an:
AFC East (Patriots, Dolphins, Jets, Bills)
Divisions-Favorit: New England Patriots
In Lauerstellung (mit Playoff-Chancen): Miami Doplhins
Keine Chance: New York Jets, Buffalo Bills
In den Vorjahren war es eigentlich klar, wie die Kräfteverhältnisse in dieser Division aussehen. So lange Bill Belichik als Trainer und Tom Brady als Quarterback in Boston aktiv sind, sind die New England Patriots das Team, welches in dieser Division den Takt vorgibt. Das gilt grundsätzlich immer noch. Aber die Offseason und auch die ersten Saisonspiele deuteten schon an, dass in New England diese Saison ein kühler Wind wehen könnte. Zunächst einmal verlor das Team seinen besten Wide Receiver der letzten Jahre: Wes Welker war aufgrund des ihm unterbreiteten Angebots so beleidigt, dass er zum schärfsten Titelrivalen der AFC wechselte (Denver Broncos) und dort nun seine Pässe von Bradys größtem Quarterback-Rivalen dieses Jahrtausends - Peyton Manning - zugeworfen bekommt. Das grandiose Tight End Duo Gronkowski / Hernandez wurde gesprengt, weil Rob Gronkowski die ersten Wochen verletzt ausfallen wird und Aaron Hernandez wohl in den Knast wandern wird (Mordanklage). Als nennenswerter Ersatz kam "nur" Danny Amendola aus St. Louis - ein guter Receiver, dem aber der Makel anlastet, sich schnell zu verletzen (was sich auch schon bestätigte, Amendola musste im zweiten Saisonspiel aussetzen). Für größere Verstärkungen war einfach kein Platz unter dem Salary Cap.
All das sorgt nun dafür, dass New England ein schwieriges Jahr bevorsteht. Sicher - mit dem Duo Belichik/ Brady wird man immer konkurrenzfähig sein. Ja, der Saisonstart ist mit zwei Siegen geglückt. Beide Siege waren aber a) sehr knapp b) sehr glücklich c) gegen die beiden schwach eingeschätzten Divisionsrivalen Buffalo und NY Jets und d) völlig Pats-untypisch. Das bedeutet, dass das typische Patriots-Spiel - Tempo, viele kurze Pässe, hohe Genauigkeit bis jetzt nicht erkennbar war. Brady hat momentan ne Quote von nur knapp über 50% angekommenen Pässen, wirft für ihn völlig unbedeutende 230 yards pro Spiel und steht in dieser Saison gerade mal bei 3 TD-Pässen. Jahrelang attestierte man den Receivern der Patriots, sie wären nur so gut, weil sie vom System der Pats profitieren würden. Dieses Jahr könnte es aber sein, dass dieses System - mangels geeigneter "Waffen" für Brady - etwas ins Stocken gerät. Der 23:21Sieg gegen Buffalo erfolgte per Last-Second-Field Goal, der 13:10 (!!!) Sieg gegen die Jets hatte man vor allem dem Jets-Rookie-QB Geno Smith zu verdanken, der allein im Schlussviertel drei Interceptions warf. Bei der ersten befand sich NY bereits in Field Goal Reichweite. Souverän geht anders...
Und das nährt in mir die Hoffnung, dass mein Miami Dolphins die Patriots in dieser Saison mal ärgern können. Anders als die Patriots hatte (und hat immer noch) Miami viel finanziellen Spielraum für Neuverpflichtungen gehabt. Dieser Raum wurde genutzt, indem man gleich am ersten Tag der Free Agenca Wide Receiver Mike Wallace mit einem teuren (zu teuren?) Vertrag aus Pittsburgh holte, mit Brian Hartline (dem besten Dolphins-Receiver der Vorsaison), holte Receiver Brandon Gibson aus St. Louis verlängerte und Tight End Dustin Keller aus New York holte. Alles Waffen für Quarterback Ryan Tannehill, der in sein zweites NFL-Jahr geht. Dazu tradete man sich im Draft an Position 3 um dort Dion Jordan von der University of Oregon zu holen. Gemeinsam mit dem grandiosen Cameron Wake besitzen die Dolphins somit eine der besten "Flügelzangen" in der Defensive Line für den Passrush. Die Linebacker wurden ausgetauscht für Carlos Dansby und Kevin Burnett holte man die jüngeren, besseren und billigeren Danell Ellerbe aus Baltimore und Phillip Wheeler aus Oakland. Zusammen mit Defensive Tackle Randy Starks besitzen die Dolphins somit eine der besten "Front Seven" (D-Line + Linebacker) der NFL. Was mich ebenfalls begeistert hat: In der 5.Runde des Drafts holte man aus Florida einen der zwei besten Kicker aus dem College - Caleb Sturgis. Nicht dass Vorgänger Dan Carpenter nicht ein verlässlicher Mann gewesen wäre. Aber was ich von Sturgis am College gesehen habe - hier hat man sich mal richtig verbessert.
Schmerzliche Abgänge gab es in der Free Agency mit dem verletzungsanfälligen aber starken Offensive Lineman (Left Tackle) Jake Long und dem Running Back Reggie Bush. Auch Receiver und Publikumsliebling Davone Bess wurde im Draft verscherbelt und man verlor auf gleiche Art Cornerback Vontae Davis nach Indianapolis. Und das sind nun auch die Baustellen der Dolphins: Left Tackle, Running Back und Defense-Secondary. Bei den Running Backs hofft man auf den Durchbruch von Lamar Miller, der von Daniel Thomas und Rookie Mike Gilleslie unterstützt werden soll. Die Baustelle Secondary wurde via Draft angegangen, außerdem holte man für ein paar teure Dollar Cornerback Brent Grimes aus Atlanta.
Der Saisonstart macht jetzt mal richtig Hoffnung. 2 Spiele, 2 Siege, 2x auswärts, 2x gegen ordentliche Teams (Cleveland und Indianapolis). Gegen Cleveland war man defensiv sehr stark, gegen Indianapolis konnte man zumindest in Hälfte 2 das Feuerwerk von Andrew Luck + Gang in den Griff bekommen. Offensiv zeigte man gute Ansätze, aber hat noch Luft nach oben. Das Laufspiel war in Cleveland unterirdisch, zeigte sich aber in Indy stark verbessert. Das Passspiel sieht schon recht ansehnlich aus. Und Caleb Sturgis kickt wie ein Veteran mit 10 Jahren NFL-Erfahrung. Ich bin vorsichtig optimistisch.
Überrascht bin ich von den New York Jets. Keinen Pfifferling hätte ich für dieses Chaos-Team gegeben. Das Quarterback Chaos um den indiskutablen (aber schweinteuren) Mark Sanchez, eine Salary-Cap Situation, welche die Jets dazu zwang, viele ihrer besten Spieler abzugeben, ein angezählter, schon halb in den Seilen hängender Head Coach. Diese Saison wurde von vielen Experten als Übergangs- und Rebuilding-Jahr gesehen. Die Jets galten als einer von drei Kandidaten auf den Draft Pick Nr.1 in 2014 - sprich: Man traute Ihnen zu, das schlechteste Team der Saison 2013 zu werden. Hoffnung verlieh vor allem der Draft. Mit Cornerback Dee Milliner (Alabama!!!), Defensive Tackle Sheldon Richardson und der neuen QB-Hoffnung Geno Smith hatte man vor allem in den ersten beiden Runden richtig gute Leute bekommen. OK- für Geno Smith war es eine extreme Enttäuschung erst in der zweiten Runde vom Board zu gehen (und damit natürlich auch einen weniger gut dotierten Vertrag zu bekommen), aber für die Jets könnte sich gerade das als Glücksfall erweisen. Schließlich gilt es als sicher, dass Marc Sanchez nächste Saison entlassen wird (hier mal seine Gehaltsstruktur). Trotzdem wird er auch 2014 mit mindestens 4 Mio. US$ in der Jets-Bilanz stehen. Da kommt es den Jets entgegen, erstmal mit Geno Smith (hier mal seine Zahlen zum Vergleich) einen spottbilligen Quarterback im Roster zu haben.
Der Saisonstart war überraschend positiv für die Jets. Trotz aller Kritik, hat der als Defensivgenie verschrienene Head Coach Rex Ryan eine gute Defensive gebastelt. Somit gelang ein fast schon sensationeller Sieg gegen den Geheimfavoriten Tampa Bay und man hatte (wie schon erwähnt) New England auswärts kurz vor einer Niederlage. Die Pats bei 13 Punkten zu halten und sich eigentlich selbst zu schlagen - das ist schon nicht schlecht für ein solches Team. Ich bin auf jeden Fall gespannt.
Bleiben noch die Buffalo Bills - ein Team über das man eigentlich kaum etwas schreiben kann, weil es irgendwie total unspektakulär ist. Die Goldenen Zeiten Anfang de 90er, als man 4 Superbowls in Folge erreichte (und alle verlor - der Name BILLS stand damals für "Boy I Love Losing Superbowls) sind fast 20 Jahre her. Die Franchise sitzt in einem kleinen Markt und gilt jedes Mal als Kandidat, wenn Los Angeles mal wieder ein NFL-Team will. Der Besitzer weigerte sich jahrelang groß in das Team zu investieren. Und somit sind die Bills irgendwie völlig vom Radar aller Footballfans verschwunden. Deshalb kann ich nur schreiben, dass man in Buffalo den teuren Quarterback Ryan Fitzpatrick entlassen hat und dafür den Hoffnungsträger EJ Manuel vom College draftete. Dazu holte man auch aus dem College mit Marquise Goodwin und Robert Woods zwei Hoffnungsträger als Receiver. Der neue Head Coach Doug Marrone coachte letzte Saison ebenfalls noch am College in direkter Nachbarschaft in Syracuse. Mehr fällt mir jetzt zu dieser Franchise auch nicht ein.
Ähnlich wie bei den Jets gelang den Bills ein überraschend guter Saisonstart. Gegen New England verlor man in letzte Sekunde, gegen die hoch eingeschätzten Panthers drehte man den Spieß um und verpasste Carolina in letzter Sekunde den TD zum Sieg (hatte dabei aber Glück, dass sich die Panthers in diesem letzten Drive knetendämlich anstellten).
Vor der Saison galt diese Division bei vielen Experten als eher mittelmäßig (mit Ausnahme der Patriots). Der Saisonstart deutet etwas in eine andere Richtung. Die beiden angeblichen "Bodensatz"-Teams schlugen Geheimfavoriten aus der hoch eingeschätzten NFC South. Miami gewann 2x auswärts, und der große Favorit New England hielt sich zwar noch schadlos, könnte aber in dieser Saison noch eine böse Überraschung erleben. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt.
So, das war jetzt erstmal ziemlich lang. Die nächsten Teile werden etwas kürzer. Ich werde für den nächsten Teil mal die Conference wechseln und gehe in die gerade schon angesprochene NFC South. Danach ist die NFC West dran.
Imho:
NFC South (Saints, Falcons, Panthers, Buccaneers)
Favoriten: New Orleans Saints, Atlanta Falcons
Geheimfavoriten: Carolina Panthers, Tampa Bay Buccaneers
So, mir ist gerade der gerade geschriebene Beitrag durch ne falsche Tastenkombination verloren gegangen, deshalb noch mal in Kürze die Zusammenfassung:
Die Atlanta Falcons waren aufgrund der Probleme der Saints das beste Team der NFL in der Regular Season, schafften in den Playoffs endlich den lang ersehnten ersten Playoff-Sieg dieser Generation und mussten sich im Conference Finale nur knapp den 49ers geschlagen geben. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass die Falcons auch in dieser Saison wieder um die Playoffs und evtl. mehr kämpfen werden. Quarterbackk Matt Ryan hat sich von Saison zu Saison gesteigert und geht mit dem Rückenwind seines ersten Playoff-Erfolgserlebnis in die Saison. Mit dem grandiosen Julio Jones und dem starken Roddy White hat Ryan eines der besten Receiver-Duos der NFL zur Verfügung, dazu kommt Tight End-Legende Tony Gonzales, der im zarten Football-Alter von 37 Jahren nochmal ne Saison dranhängt. Im ersten Saisonspiel musste man zwar bereits gegen den schärftsten Divisions-Rivalen aus New Orleans auswärts im höllisch lauten Superdome eine Auftaktniederlage einstecken, glich diese Bilanz aber am zweiten Spieltag gegen St. Louis aus.
Ja - mit den New Orleans Saints muss man wieder rechnen. Nach einer Saison voller Strafen, Verletzungen und der Saisonsperre von Head Coach Sean Payton. Diese Sperre sorgte für einen katastrophalen Saisonstart, den die Saints trotz starker zweiter Saisonhälfte nicht wieder ausgleichen konnten. So lange dort Rekord-Quarterback Drew Brees Regie führt, werden die Saints in der Offensive immer heiß sein! Der Saisonstart gelang mit dem eben angesprochenen Sieg im Prestige Duell gegen Atlanta und dem knappen Last-Minute Sieg (gleich mehr) gegen Tampa Bay zumindest schon mal.
Mein zweites Lieblingsteam - die Carolina Panthers wurden vor der Saison als Geheimtipp gehandelt. Angesichts solcher Konkurrenz in der eigenen Division und des knüppelharten Spielplans (u.a. gegen Die NFC West mit San Francisco und Seattle und der bereits vorgestellten AFC East) ist die Hoffnung auf die Playoffs für mich aber reine Träumerei. Das gigantische QB-Talent Cameron Newton hat in seiner dritten NFL-Saison trotz guter Statistiken immer noch viel Luft nach oben. Im Passspiel hat er mit Altmeister-WR Steve Smith und Tight End Greg Olson nur zwei verlässliche Passempfänger. Das Laufspiel ist vom in die Jahre gekommenen Running Back DeAngelo Williams abhängig, der College Star aus Oregon Kenyon Barner muss seine NFL-Tauglichkeit erst noch beweisen. Dafür wurde in den letzten zwei Jahren via Draft die ehemals schlechteste Defense der NFL schon aufgewertet, mit dem Defensive Rookie of the year 2012, Linebacker Luke Kuechly, und den Rookies Kawann Short und Star Lotulelei als Defensive Tackles im Zentrum hat man die Front Seven massiv gestärkt. Das machte sich im ersten Spiel gegen den Super Bowl Favoriten aus Seattle bereits bezahlt, als man nur 12 Punkte zuließ und erst im Schlusabschnitt das Spiel verlor. Gegen Buffalo verbockte dann kurz vor dem Ende der Defensiv-Star Kuechly das Spiel, als er ne halbe Minute vor dem Ende bei 6-Punkte Führung völlig übermotiviert seinen Gegner umnietete. Durch die folgende Strafe zählte die siegbringende Interception nicht, Buffalo blieb im Ballbesitz und erzielte noch den TD.
Ein weiterer Schwachpunkt der Panthers sitzt auf der Trainerbank. Ron Rivera wird nachgesagt, zu ängstlich zu agieren und ein grottiger Gamemanager und Taktiker zu sein. Dazu plant er seine Offensive völlig an den Talenten von Cam Newton vorbei. Dieser wirft noch etwas ungenau und hat dazu wenig gute Receiver. Dafür ist er ein Hüne von Football-Spieler und ein grandioser Runner. Was macht Rivera? Limitiert die Spielzüge, in denen Newton laufen kann und zwingt ihn zu Passverwerken! Ja - das klingt nicht nur unlogisch...
Fehlen noch die Tampa Bay Buccaneers. Die haben einen eh schon ordentlich besetzten Kader um den jungen Running Back Doug Martin und QB Josh Freeman noch einmal ordentlich verstärkt, mit der Akquise von Star-Cornerback Darell Revis einen der größten Transfercoups der Saison gelandet. Dafür herrscht im Team aber eine Scheißstimmung, seit Head Coach Schiano den Quarterback Josh Freeman absägen wollte, was einen Protest des kompletten Teams ausgelöst hat. Kein Wunder, dass so der Saisonstart grandios ins Wasser fiel. Ja - Tampa Bay verlor beide Spiele (gegen die Jets und gegen New Orleans) durch Field Goals in letzter Sekunde. Aber diese Ergebnisse passen einfach zum zerstrittenen Bild, das die Bucks seit Wochen abliefern.
Wie schon erwähnt: Alle Teams dieser Division habe einen knüppelharten Spielplan mit der harten NFC West (u.a. San Francisco und Seattle), der AFC East (New England, Miami) und natürlich die Spielen gegeneinander. Dazu bekommt Atlanta noch Green Bay und Washington, New Orleans hat noch Chicago während Carolina die New York Giants und Minnesota spielen muss. Deshalb ist es trotz der Klasse der Teams nicht sehr wahrscheinlich, dass mehr als ein Team aus dieser Division in die Playoffs kommt. Ähnlich geht es den Teams aus er morgen vorgestellten Division: Der NFC West.
düse:
Im Beitrag der NFC South sind die Logos nicht in der richtigen Reihenfolge. [neever]
Ich finde, du vernachlässigst deinen Bildungsauftrag schon etwas...
Imho:
Eigentlich sind die Logos in der AFC East nur zufällig in der richtigen Reihenfolge. Das war nicht beabsichtigt.
[vogeel]
Imho:
NFC West (49ers, Seahawks, Rams, Cardinals)
Divisionsfavoriten (und Superbowlkandidaten): Seattle Seahawks, San Francisco 49ers
Keine Chance (aufgrund der Konkurrenz): Arizona Cardinals, St. Louis Rams
Vor zwei Jahren war diese Division noch eine Lachnummer, in der sich der Divisionssieger mit einer negativen Bilanz für die Playoffs qualifizierte (um dort immerhin den amtierenden Super Bowl Champion aus New Orleans rauszukicken). Jetzt gilt diese Division mit als stärkste, was die NFL zu bieten hat. Den Seattle Seahawks und den San Francisco 49ers.
Beide Teams wurden mittelfristig gut zusammengestellt und beide Teams haben einen großen Vorteil: Sie spielen mit jungen, nicht in der ersten Runde gedrafteten und deshalb günstigen Quarterbacks und haben deshalb finanziell Luft die übrigen Mannschaftsteile zu stärken. In San Francisco handelt es sich um den spektakulären Colin Kaepernick, der die kleine Uni in Nevada zu einer 11-2 Bilanz am College führte aber 2011 trotzdem erst als sechster Quarterback in Runde 2 vom Board ging. Vor ihm standen u.a. Leute wie Blaine Gabbert (Jacksonville), Christian Ponder (Minnesota) und Jake Locker (Tennessee), deren NFL Karriere fast schon abgeschrieben ist. Ebenfalls als sechster Quarterback 2012 - aber erst in Runde 3 gedraftet - wurde der Seahawks QB Russel Wilson, der zwar nicht so glamourös daherkommt wie Kaepernick, aber ihm in Punkto Laufspiel nur wenig nachsteht und darüber hinaus ein besserer und ruhigerer Passer ist.
Um diese beiden Jungs haben beide Teams in der Offensive einen gewaltigen Supporting Cast gebaut. In San Francisco kam zum starken Wide Receiver (der aber momentan verletzt ist) Michael Crabtree noch der bester Receiver des Super Bowl Gegners aus Baltimore - Anquan Boldin hinzu. Dazu mit Vernon Davis ein Tight End, der sich zum dritten Mal in Folge unter den Top100 der NFL-Spieler platziert hat. Daneben steht ein Running Game, das neben Kaepernick noch weitere Gefahren bietet: Running Back Frank Gore, 4maliger Pro Bowler ist ein Tier, der filigranere ehemalige College Star aus Oregon LaMichael James pfeilschnell und nebenbei auch eine Option im Passspiel und sollte dann auch noch der verletzte Marcus Lattimore [wub] seine Klasse wiederfinden, die ihn in South Carolina zum Superstar hat werden lassen, bekommt man es schon fast mit der Angst zu tun. Addiert man dazu noch eine furchterregende Defense um den Superstar-Linebacker Aldon Smith, hat man einen klarer Super Bowl Anwärter. Im ersten Spiel schlug dieser Favorit bereits die Green Bay Packers. Um dann am Spieltag 2 einen Rückschlag zu kassieren:
Dieser Rückschlag kam nun ausgerechnet in Seattle. Mit 29:3 fing man sich ein heftiges Brett. Ausgerechnet beim Divisionskonkurrenten. Nahezu alles, was ich gerade über San Francisco schrieb, trifft auch auf Seattle zu. Dem Quarterback stehen mit den Receivern Sidney Rice, Golden Tate und dem aus Minnesota geholten (aber verletzten) Percy Harvin erstklassige Waffen zur Verfügung. Mit Marshawn Lynch besitzen die Hawks einen Running Back im Beast Modus. Und die Defense hat bei beiden Saisonsiegen gegen die starken Panthers und 49ers zusammen gerechnet gerade mal 10 Punkte zugelassen. Das Team kommt in der Offense etwas abgeklärter und analytischer daher als die 49ers. Für mich der klare Anwärter der NFC auf den Super Bowl.
Dahinter stehen in dieser Division zwei Teams, die nicht schlecht sind, bei der Übermacht aus SF und Seattle aber leider chancenlos sind. Die Arizona Cardinals sind noch ein junges Team (wenn man sich deren Roster anschaut, finden sich haufenweise namhafte Jungs, die erst in den letzten 3 Jahren am College für Furrore sorgten). Um den neu gekommenen Veteran- QB Carson Palmer stehen Jungstars wie Receiver Michael Floyd oder RB Stepfan Taylor und der 7malige Pro Bowler Larry Fitzgerald (WR). Star des Teams ist für mich aber Cornerback Patrick Peterson, der vor zwei Jahren aus der LSU in die NFL kam, sich seitdem 2 Pro Bowl Nominierungen einsammelte, und dem in dieser Zeit nicht nur 9 Interceptions sondern als Punt-Returner auch noch 4 TDs gelangen. Das Multitalent soll in diesem Jahr sogar als Receiver eingesetzt werden und warf am Sonntag beim Sieg gegen Detroit sogar einen 15 yard Pass! Ebenfalls als Cornerback/Safety kam in diesem Jahr der "Honey Badger" Tyrann Matthieu vom College, ebenfalls von LSU und er trug dort (wie Peterson) ebenfalls die Nr.7. Sonst hat er mit dem seriösen Peterson aber nichts gemeinsam. Das komplette letzte Jahr hatte der Honigdachs Pause, weil er wiederholt zum Joint greifen musste. Er flog bei LSU aus dem Team. Trotzdem holten die Cardinals ihn in Runde 5 des Drafts.
Bleiben noch die St. Louis Rams. Dort spielt QB Sam Bradford zwar auch noch mit seinem Rookie-Vertrag, da dieser aber vor 2011 abgeschlossen wurde, ist dieser Vertrag alles andere als billig. Bradford ist kein schlechter, war immerhin Heisman Trophy Gewinner und 2010 Offensive Rookie of the year. Aber so richtig herausragend war das bisher noch nicht. Die Rams haben eine turbulente Offseason mit vielen Abgängen aber auch namhaften Neuzugängen hinter sich und stellen so etwas die Wundertüte dieser Division dar. Arizona konnte man bereits besiegen, in Atlanta verlor man nach großer Aufholjagd am Ende knapp.
Nach momentanem Stand führ Seattle diese Conference mit zwei Siegen an. Alle anderen Teams stehen 1-1. Wenn ich mal nen Tipp abgeben darf: an der Spitze ändert sich nichts. Nicht nur weil die Seahawks verglichen mit den 49ers reifer und weniger anfällig für Verletzungen und Formschwankungen einzelner Spieler wirken. Sondern weil ich glaube, dass sich die NFL langsam auf das Highlight Spiel von Colin Kaepernick einstellen wird. Leichter Vorteil für Seattle.
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