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Tour de France 2017 - Die große Versöhnung

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Imho:
Deutschlands Versöhnung mit der Tour
„Die große Schleife“ startet am Samstag in Düsseldorf

Noch im Jahr 2008 sah es nach einer kompletten Scheidung zwischen Deutschland und der größten Radrundfahrt der Welt aus. Die Ära von Erik Zabel und Jan Ullrich war beendet, einen deutschen Kandidaten für den Gesamtsieg gab es nicht mehr, die Dopingfälle mehrten sich und die öffentlich rechtlichen Fernsehsender verzichteten unter dem Vorwand dieser Dopingfälle komplett auf die Übertragung dieses Großereignisses. Nach einem Jahrzehnt der Wiederannäherung feiern die Tour und die Deutschen in diesem Jahr nun endlich Versöhnung. Zum vierten Mal in der Geschichte der Tour findet der Grand Depart in Deutschland statt. Mit einem Zeitfahren in Düsseldorf und einem weiteren Etappenstart in der Stadt am Rhein wird die Versöhnung angemessen gefeiert.

Eine Versöhnung die mit einem Etappensieg und dem gelben Trikot von Tony Martin noch aufgewertet werden könnte. Der Cottbusser - amtierender Weltmeister und deutscher Meister im Zeitfahren - gilt als einer der Favoriten für den Sieg zum Tourstart und könnte damit auch gleich die Führung im Gesamtklassement übernehmen. Dazu kommt, dass zwei seiner härtesten Konkurrenten – der frischgebackene Giro Sieger Tom Dumoulin und der Australier Rohan Dennis – nicht bei der diesjährigen Tour am Start sein werden.

Um das Versöhnungsmärchen danach noch weiter erzählen zu können, müsste Deutschlands Sprinterelite um Andre Greipel und Marcel Kittel dann „nur“ noch auf der folgenden Etappe von Düsseldorf nach Lüttich für den nächsten Etappensieg sorgen. In den letzten Jahren feierten sie bereits einige Etappensiege, u.a. auf teilten die beiden sich die letzten vier Siege bei der prestigeträchtigen Schlussetappe nach Paris unter einander auf. Greipel wird wie in den Vorjahren erneut von Marcel Sieberg unterstützt.  Und weil aller guten Wünsche drei sind, darf auch der Klassikerspezialist John Degenkolb auf Etappe 3 nach Longwy noch endlich den ersten Tour-Etappensieg seiner Karriere feiern. Schwere Etappenenden liegen Degenkolb zwar, auf diesem Terain ist die Konkurrenz natürlich gewaltig.

Der Rest der insgesamt 13 deutschen Tour-Starter muss sich erneut in den Dienst seiner Teamkapitäne stellen, so wie der frischgebackene Deutsche Meister und frühere Tour-Etappensieger Marcus Burghardt, Emanuel Buchmann oder Tourdebütant Rüdiger Selig, die im Bora Team ihren Kapitänen Peter Sagan und Rafal Majka im Kampf um das Grüne Trikot und das Bergtrikot helfen sollen. Der gebürtige Magdeburger Robert Wagner und Paul Martens werden im LottoNL-Jumbo Team für ihren Kapitän Louis Meintjes ran müssen. Oder eben darauf hoffen, dass sie grünes Licht bekommen, in Fluchtgruppen einen Etappensieg zu erkämpfen, wie das Simon Geschke vom deutschen Team SunWeb vor zwei Jahren gelang. Ebenfalls für Sunweb geht Niklas Arndt an den Start. Und mit Nils Politt bestreitet ein weiterer junger Deutscher sein Tourdebüt. Er tritt an der Seite von Tony Martin im russisch-deutschen Team Katusha-Alpecin an.

Und so ganz ist die Ära Zabel bei der Tour dann doch nicht vorbei. Rick Zabel, Sohn von Erik Zabel wird ebenfalls im Team Katusha-Alpecin sein Tour-Debut geben. Das Gefühl auf dem Tour-Podium zu stehen kennt er bereits, seit er ein kleiner Junge ist - wenn auch nur auf dem Arm von Vater Erik. Bei seinem Team soll der ebenfalls sprintstarke Junior die Massensprints für den Norweger Alexander Kristoff anziehen. Aber wie schnell wird man auf einmal vom Helfer selbst zum Sieger? Das wäre dann tatsächlich das letzte Puzzlestück der endgültigen Versöhnung der Tour mit den Deutschen.

Die Deutschen Starter

Tony Martin        Katusha-Alpecin
Rick Zabel         Katusha-Alpecin
Nils Politt        Katusha-Alpecin
André Greipel      Lotto-Soudal
Marcel Sieberg     Lotto-Soudal
Paul Martens       Lotto NL
Robert Wagner      Lotto NL
Christian Knees    SKY
Niklas Arndt       Sunweb
Simon Geschke      Sunweb
Emanuel Buchmann   Bora-Hansgrohe
Marcus Burghard    Bora-Hansgrohe
Rüdiger Selig      Bora-Hansgrohe
John Degenkolb     Trek-Segafredo
Marcel Kittel      Quick-Step Floors

AcPauer:
Am Sonntag haben wir ne geteilte Stadt, wenn die Tour durch Aachen fährt. Ca 500 m von meinem Zuhause werden die Radfahrer in wenigen Sekunden und der ganze Tross in ein paar Stunden passieren. Mal sehen, ob ich einen Blick erhaschen kann. Vermutlich wird man im TV mehr erkennen.

Imho:
Die Favoriten

Christopher Froome gilt auch 2017 als der große Favorit. Der dreimalige Toursieger bietet weiterhin das kompletteste Paket für den Toursieg, da er unter den Favoriten der beste Zeitfahrer ist und in den Bergen ebenfalls zu den Besten zählt. Sein Sky-Team zählt zu den stärksten im Feld und ist komplett auf den Toursieg seines Kapitäns ausgerichtet.

Nairo Quintana hat in diesem Jahr bereits den Giro d’Italia in den Beinen, den er mit einem Etappensieg auf Rang 2 beendete. Eigentlich wollte der Kolumbianer den Giro nur fahren, um nach einem erneut sehr starkem Frühjahr (u.a. mit dem Sieg bei Tirreno–Adriatico) Wettkampfhärte zu bekommen. Jetzt stellt sich die Frage, ob er beim Kampf um den Giro-Gesamtsieg zu viele Körner gelassen hat oder ob seine Form nicht zu früh da war. Das Profil der diesjährigen Tour mit sehr wenigen Zeitfahr-Kilometern kommt dem stärksten Kletterer im Feld entgegen.

Richie Porte fährt 2017 das erste mal als klarer Kapitän seiner BMC-Mannschaft. Der Australier war einer der wenigen, die in den letzten Jahren in den Bergen Chris Froome in Bedrängnis bringen konnten. Wenn alles gut läuft und er von seinem obligatorischen Sturz oder Einbruch verschont bleibt, könnte er seinem ehemaligen Kapitän und Freund sehr gefährlich werden.

Die Hoffnungen der Franzosen ruhen wieder auf Romain Bardet und Thibaut Pinot. Beide konnten an ihren Schwächen im Zeitfahren arbeiten, auch wenn sie in dieser Disziplin immer noch nicht mit der Weltspitze der Klassementfahrer mithalten können. Aber auch Ihnen kommen die wenigen Zeitfahrkilometer in diesem Jahr entgegen.

Und wie immer lauert der Altmeister Alejandro Valverde im Hintergrund. Offiziell ist der Spanier wieder Helfer für seinen Kapitän Nairo Quintana. Aber das war er auch in den letzten Jahren und beendete die Tour trotzdem unter den ersten zehn. Im Herbst seiner Karriere fuhr Valverde wohl sein erfolgreichstes Frühjahr. Gesamtsiege bei den kleineren aber sehr schweren Rundfahrten (Baskenland-Rundfahrt und Katalonien-Rundfahrt) sowie bei den härtesten eintagesrennen (Fleche Wallone und Lüttich-Bastogne-Lüttich) stehen in seinem Palmares. Mit Valverde ist immer zu rechnen.

Ein weiterer Altmeister - Alberto Contador - wollte 2016 seine Karriere schon beenden, entschied sich dann aber doch noch mindestens ein Jahr dranzuhängen um in diesem Jahr noch einmal zu Angriff auf den Toursieg zu blasen. Dafür wechselte der Spanier auch das Team. Das Podium sollte für ihn immer noch drin sein, aber ob es für ganz oben noch einmal reicht, ist fraglich.

Eine gute Rolle können auch der Südafrikaner Louis Meintjes, immerhin Achter der Tour 2016, der Ire Daniel Martin oder die neue kolumbianische Hoffnung Esteban Chaves spielen, der im letzten Jahr sowohl den Giro d’Italia als auch die Vuelta á Espaňia auf dem Podium beendete. In diesem Jahr soll das gleiche auch bei der Tour klappen. In diesem Frühjahr warf ihn allerdings eine Knieverletzung zurück. Sollte er seine Top-Form deshalb nicht rechtzeitig wieder erreichen, würde sich sein Team wohl auf den Briten Adam Yates, Gesamtvierter der letzten Tour, konzentrieren. Auch Fabio Aru tritt zum ersten Mal als Kapitän seines Astana-Teams an, nachdem Vincenzo Nibali dieses Team verlassen hat und trägt damit die Hoffnungen der italienischen Radsportfans auf seinen Schultern. Und sein dänischer Helfer Jacob Fuglsang glänzte vor zwei Wochen als Sieger der Dauphine-Rundfahrt, traditionell dem besten Form-Indikator vor der Tour.

Imho:
Die Strecke

Start in Deutschland, durch Belgien und Luxemburg nach Frankreich, keine Kopfsteinpflaster, kaum Zeitfahren und wenig Bergankünfte. Auf den ersten Blick wirkt die Tour 2017 nicht sehr spektakulär. Aber die Veranstalter haben sich auch in diesem Jahr wieder einige Besonderheiten einfallen lassen. Erstmalig werden alle großen Gebirgszüge – Vogesen, Jura, Pyrenäen, Zentralmassiv und Alpen – durchfahren. Bereits in Woche 1 (5.Etappe) wird in den Vogesen der Kampf ums  Gesamtklassement mit einer Bergankunft in La Planche des Belles Filles eröffnet. Zwei Jura-Bergetappen am zweiten Tour-Wochenende folgen, die zwar nicht mit einer Bergankunft enden, aber extreme Schwierigkeiten bieten. So geht es auf der Etappe nach Chambery u.a. über drei Berge der HC-Kategorie. Zwei Pyrenäen-Etappen folgen in Tourwoche zwei, wobei die erste mit einer Bergankunft in Peyragudes endet nachdem vorher noch der HC-Anstieg zum Port de Balès überfahren werden muss. Die Alpen kommen auf der 17. Und 18. Etappe zu ihrem Recht, auf der Etappe nach Serre Chevalier jagt man die Fahrer zunächst über den Croix de Fer (HC), den Télégraphe (Kat1) und den Galibier (HC). Abgeschlossen wird die Berg- und Talfahrt mit einem Berganstieg der HC-Klasse zum Izoard. Bevor es dann nach Paris geht, stehen noch einmal 22 Zeitfahrkilometer in Marseille auf dem Programm, bevor es mit dem Flieger vor die Tore nach Paris zur Tour d’Honneur auf den Champs Élysees geht.

Zusammenfassung der entscheidenden Etappen:


 1.Etappe: Sa, 01.07.  Zeitfahren        Düsseldorf         
 3.Etappe: Mo, 03.07.  kl. Bergankunft   Verviers > Longwy
 5.Etappe: Mi, 05.07.  gr. Bergankunft   Vittel > La Planche des Belles Filles
 8.Etappe: Sa, 08.07.  Bergetappe        Dole > Station des Rousses
 9.Etappe: So, 09.07.  Bergetappe        Nantua > Chambéry
12.Etappe: Do, 13.07.  Bergankunft       Pau > Peyragudes
13.Etappe: Fr, 14.07.  Bergetappe        Saint-Girons > Foix
15.Etappe: So, 16.07.  Bergetappe        Laissac-Sévérac l’Eglise > Le Puy-en-Velay
17.Etappe: Mi, 19.07.  Bergetappe        La Mure > Serre-Chevalier
18.Etappe: Do, 20.07.  Bergetappe        Briancon > Izord
20.Etappe: Sa, 22.07.  Zeitfahren        Marseille


MundM:
Überträgt denn ARD auch wieder - quasi als Versöhnug ?

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